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Newsletter Nr. 31           19. August 2021

„Nie ist eine Sternschnuppe da, wenn man sie mal  braucht."

 

Ist Ihr Wunsch beim  Meteor-Strom (sprich Sternschnuppen) vor einer Woche nicht in Erfüllung gegangen?

Eine nette Erklärung dazu: Das liegt an der kosmischen Gerechtigkeit. D. h., wenn nicht jeder Wunsch in Erfüllung geht, liegt das daran, dass ein anderer Mensch eventuell einen viel wichtigeren und dringenderen Wunsch hatte, der aus kosmischer Gerechtigkeit Vorzug bekam.

Der französische Philosph Edgar Morin, der gerade 100 Jahre alt wurde, lehnt es ab, sich Christ zu nennen. In seinem Buch „Mes Philosophes“ (Seite 42) schreibt Morin: „Ich bin für eine Religion der Verbindung: Wir Menschen sind verbunden mit dem Leben, mit der Erde, die mit ihrer Sonne verbunden ist, wir sind verbunden mit dem Kosmos. Wir sind schließlich auch mit allen Wesen verbunden, die in uns sind, Vorfahren, Eltern. ...  Das ist also eine Religion ohne Idole, aber mit dem Sinn für das Mysterium, in dieser Religion sind Glauben und Zweifel gleichzeitig vorhanden. ... Wir Menschen sind zusammen verloren, wir haben keine strahlende Zukunft der Vorsehung. Aber wir sind gemeinsam verbunden in einem unbekannten Abenteuer, das ungewiss ist und geheimnisvoll.“

 

Sowohl Hochwasserkatastrophe als auch Pandemie veranschaulichen, wie verletzlich wir Menschen sind. Und dass wir unsere Lebensweise ändern müssen. Das bedeutet für das Verhältnis Mensch/Natur:

„Es gibt keine Umwelt. Nichts, was den Menschen bloß umgäbe, kein Außen, dem er autonom, souverän oder gar unverletzlich gegenüberstünde. Vielmehr ist der Mensch immer schon Teil der Natur, sie geht über ihn hinweg und durch ihn hindurch, er besteht aus ihr." (Bernd Ulrich, stv. Chefredakteur der ZEIT)

Die Vorstellung, dass die Klimakatastrophe vielleicht Afrika, Indien und Bangladesch betrifft , aber doch nicht UNS, hat sich mit der Flutkatastrophe selbst hinweg gespült. D. h. der Klimawandel betrifft ALLE.

Die französische Revolution basierte auf diesen drei Werten: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Die neuen Werte heißen: Klimaschutz, Klimaschutz, Klimaschutz - das sagt der engagierte Journalist und Buchautor Franz Alt und verweist auf Eckhart von Hirschhausen „Wir müssen nicht die Erde retten, sondern uns – Mensch Erde! Wir könnten es so schön haben.“

 

Mensch Erde


 

Mainz, Kapuzinergasse 54

Ein Stück der Mainzer Stadtgeschichte verbirgt sich in diesem Altstadthaus, das soeben komplett saniert wird. Wie wir jetzt erst erfahren haben, wohnte um 1860 dort der Ofenfabrikant Schneider. Er war neben Christian Scholz einer der Mitbegründer unserer Gemeinde. Ursprünglich war dieses Haus Eigentum der Templer.

 

Können Sie sich noch daran erinnern, als Sie 21 waren?

Der Schweizer Künstler Mats Staub beschäftigte sich damit und macht ein Langzeitprojekt daraus, das auf der diesjährigen Ruhrtrienale gezeigt wird. Unterschiedlichen Menschen stellt der Künstler die Fragen: In welchem Jahr bin ich 21 Jahre alt geworden? Was hat sich in diesem Jahr ereignet? Welche Erlebnisse haben mich geprägt, welche Erfahrungen waren wichtig? Und: Wie bin ich erwachsen geworden? Die Menschen sprechen und reagieren  im Abstand auf ihre eigenen Antworten.

Eine interessante Erfahrung: Viele sagen „Das Endliche (also dass es den Tod gibt) hat mich erwachsen gemacht". Das Projekt lässt sich anklicken und einige Antworten hört und sieht man im Video (daran erkennbar, dass die Augen sich bewegen):

 

Erinnerungen ans Erwachsenwerden

        

           

Kunst kann uns glücklich machen. Oder nachdenklich. Sie kann politisch sein. Soll sie auch, sagen manche. Soll sie nicht, sagen andere. Egal, im Rahmen der Initiative „3xklingeln" öffnet auch die  Feierhalle der Freireligiösen Gemeinde Mainz die Türen für Kunst. Sie kann (voraussichtlich) besichtigt werden vom 25. - 26. September nachmittags (Hygienauflagen beachten). Näheres unter:

 

dreimalklingeln

 

Nachdem sich  iegwart Dittmann nach 3 Jahrzehnten von diesem Amt verabschiedet hat, wurde Tenko Saphira Bauer (30) zur neuen Präsidentin der Freireligiösen Landesgemeinde Pfalz gewählt. Ambitioniert benennt sie die Aufgaben: „Freireligiöse waren von Anfang an Motor der gesellschaftlichen Evolution ... Gemeinsam mit unseren Mitgliedern wollen wir den Weg ins 21. Jahrhundert weiter gestalten mit dem Ziel, weitere 175 Jahre lang für Gleichberechtigung, Frieden und Menschlichkeit zu wirken.“

Wir gratulieren der sehr engagierten (Hochschul- und  kommunalpolitisch, im BFGD etc.)  neuen Präsidentin ganz herzlich und freuen uns auf eine Zusammenarbeit.

 

Unsere nächste Feierstunde in Mainz findet am 19. September um 10 Uhr statt. Sie wird von Amy Allen, der Gemeindesprecherin aus Alzey, gestaltet.

 

Quetscherock nennt sich das Musikprogramm von Kurt Geyer am Sonntag, 26. September ab 11 Uhr  im Freireligiösen Jugendheim, Königstädter Str.74 in Nauheim.

Was verbindet Menschen, die an Gott glauben und Menschen, die nicht an Gott glauben?


   Kurzbesinnung

 

grüße ich herzlich

 

 

Ihre

 

 

Elke Gensler

 

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Newsletter Nr. 30    
      30. Juni 2021


„Nähe ist keine Frage der Entfernung"

 

Proxemik ist eine Wissenschaft, die die Distanzzonen des menschlichen Körpers untersucht. Also: wie nah darf mir jemand kommen? Diese Grafik beschreibt  die Distanzzonen :

Komm mir nicht zu nah

 

Mit zurückgehender Inzidenz scheint die Sehnsucht nach Normalität alle Corona-bedingten Distanzgebote zu überschreiten. Nach der Erfahrung der vergangenen Monate jedoch ist auch festzustellen: Nicht alles war schlecht!  Zum Beispiel: Rücksichtnahme und Respekt. Das gegenseitige Raumgeben ist nicht unwesentlich für das Gefühl, Platz in der Welt haben zu dürfen und anderen diesen Platz ebenso zuzugestehen. Andererseits:  Erst durch den Aufruf zur gesellschaftlichen Distanz erleben wir  den Wert von Nähe.

Das wusste schon Arthur Schopenhauer mit seiner Geschichte über

„Die Stachelschweine"

 

Unter Einhaltung des Distanzgebotes und der Hygieneregeln  konnte unser Sommerfest in Nauheim  mit einem schönen Sonnenwendfeuer statt finden:  

 

Freireligiöse Gemeinden sind eng mit dem demokratischen Gedanken verbunden. Unsere Vorgänger*innen haben dafür gekämpft und gestritten. Demokratie aber muss stets aufs Neue verteidigt, gestaltet und gelebt werden. Wie wäre es am 13. Juli mit einem privaten Ausflug nach Neustadt, ins Hambacher Schloss? Im Rahmen der „Hambacher Gespräche" findet im Festsaal eine Veranstaltung statt:: „Umkämpfte Vergangenheit. Vom Wert der Geschichte für unsere Demokratie"

Näheres und Anmeldung LINK

 

 

KORTIZES nennt sich das „Institut für den populärwissenschaftlichen Diskurs". Der Name leitet sich ab von:

Gehirne denken, Gehirne vernetzen sich
lat.: cortices cogitant, cortices conjunguntur

Unter LINK   

werden spannende Veranstaltungen, Vorträge, ein humanistischer Salon etc. aus dem säkularen Spektrum angeboten.

Die meisten Freireligiösen sagen, dass sie frei IN der Religion sind. Wenn es um Religion geht, denken viele Menschen eher an Institutionen und Traditionen, an Rituale, Islam, Kirche etc. Tatsächlich aber wird Religion erst im persönlichen Erleben  lebendig. Ursprüngliche  „Direkterfahrungen" untersuchte der eher ungläubige Religionspsychologe William James vor über 100 Jahren. Die „Vielfalt religiöser Erfahrung" nannte er auch sein Buch, das mittlerweile ein Klassiker ist und an dieser Stelle sehr empfohlen wird. Ein wichtiger Satz daraus:

„Auch wenn alle speziellen Erscheinungsformen der Religion absurd sein mögen (damit meine ich ihre Glaubensbekenntniss und Theorien), so ist doch ihr Leben als Ganzes der Menschheit wichtigste Funktion".

Zum Buch

Radiosendung des SWR über William James

 

Bis die Delta-Variante uns eventuell einholt scheint die  Pandemie zu pausieren.

Und auch der „Gruß von der Freireligiösen Gemeinde Mainz" verabschiedet sich vorerst mit einem

Gutenmorgenurlaubssommergedicht
von Joachim Ringelnatz (1883 – 1934)

Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche in meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.

Ein schmuckes Laken macht einen Knicks
Und gratuliert mir zum Baden.
Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs
Betiteln mich „Euer Gnaden“.


Aus meiner tiefsten Seele zieht
Mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.


Mit einer

  Kurzbesinnung

wünsche ich Ihnen einen schönen Sommer

Ihre

Elke Gensler

Freireligiöse Gemeinde Mainz
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Newsletter Nr. 29           16. Juni 2021

Nichts Schöneres unter der Sonne als unter der Sonne zu sein...

dichtete Ingeborg Bachmann.

Zu Präsenzveranstaltungen zur Sommersonnenwende (jeweils mit Anmeldung) am 20. 6. laden z .B. die Freireligiöse Gemeinde Nauheim (ab 12.30 Uhr), die Frei-religiöse Gemeinde Offenbach (18 Uhr) oder die Freireligiöse Gemeinde Mannheim am 26.6. im Luisenpark (17 Uhr) ein.

Kirche stirbt?

Vertreter einer Religion, deren Erfolgsgeschichte seit 2000 Jahren die Überwindung des Todes sein soll, benutzen seit kurzem die Todesmetapher, um den Zustand ihrer Kirche zu beschreiben.  Kardinal Marx begründete sein (inzwischen vom Papst abgeschlagenes) Rücktrittsangebot damit, dass „die Kirche an einem toten Punkt angekommen sei". Und der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf predigte unlängst, „dass die Kirche in ihrer bisher den Menschen geläufigen Gestalt sterben wird"  und hofft – genauso wie Marx – auf Veränderungsprozesse.

Ein neuer Song von Bodo Wartke bringt auf den Punkt, was viele Menschen  denken:


System 0.2

 

Tod der Kirche meint aber nicht, dass damit Religion stirbt. Eine schlaue Bitte, die dem Preußenkönig Friedrich dem Großen zugeschrieben wird, bleibt folglich: „Gott, wenn es einen gibt, sei meiner Seele gnädig, wenn ich eine habe.“

 

Nun fand vor einem Monat wirklich eine (kleine) Rebellion in der katholischen Kirche in Deutschland statt: Die Segnungsgottesdienste für homosexuelle Paare, bzw. aller „Liebenden" (damit sind z. B. auch die Geschiedenen gemeint) hätten die Dimension, zu der von vielen ersehnten umfassenderen Rebellion gegen den Vatikan zu werden. Die hilflose Wut vieler Katholiken auf Rom ist bekanntlich groß. Erfrischend deshalb die Erklärung des Dekanats Mainz-Stadt zu einem Gottesdienst in St.Antonius: Wir feiern die Vielfalt der verschiedenen Lebensentwürfe und Liebesgeschichten von Menschen.

 

 

Können Freireligiöse fromm sein?

Der Religionspädagoge und Theologe Hubertus Halbfas will das Wort „Frömmigkeit" für säkular lebende Menschen neu auslegen.

In seinem Buch „Säkulare Frömmigkeit" entwirft er ein Modell, nach der auch eine säkulare Existenz spirituell gelebt werden kann. In der Form einer inneren Zwiesprache entfaltet er, was Spiritualität für Ungläubige heute heißen kann, auch wenn sich „säkulare Frömmigkeit" zunächst eher anhört wie „eckiger Kreis" oder „hölzernes Eisen". Er verhehlt auch nicht seinen christlichen Missionierungsauftrag . Dennoch interessant.

 

Säkulare Frömmigkeit

Mein Gott. Dein Gott. Kein Gott.

Glaube und Unglaube aus monotheistischen und humanistischen Perspektiven – das ist Thema des digitalen Abendforums der evangelische Akademie Berlin aus der interreligiösen Reihe „Grenzgänge" am 23. Juni (19.00 bis 20.30 Uhr online). Gefragt wird: „Wer sind eigentlich die religiös „Anderen"? Was genau ist gemeint, wenn wir von Andersgläubigen oder Nichtgläubigen sprechen? Gibt es so etwas wie den „richtigen Glauben"? Ist der Glaube überhaupt wichtig, oder kommt es nicht vielmehr auf das richtige Verhalten an? Muslimische, jüdische und christlichen Theolog*innen und ein humanistischer Philosoph diskutieren darüber, wie die Grenzen zwischen Glaube und Unglaube, dem Eigenen und dem Anderen in den monotheistischen Religionen gezogen werden.

 

Link zur Teilnahme  (Einwahl kurz vor 19 Uhr):

https://zoom.us/j/94029450911

 

 

Dass die biblische Schöpfungsgeschichte ihre Tücken hat und wissenschaftlich nicht ganz korrekt ist, ahnten Freireligiöse schon lange. Dass nun tatsächlich in verschiedenen Textpassagen gravierende Fehler gefunden wurden, erschüttert die  Wissenschaft vom alten Testament. Denn: erwiesen ist nun, dass die Schreiber der Heiligen Schrift geschlampt haben (z. B. beim Übertragen von verschiedenen Schriftrollen). Ergebnis: die Erzählung von der Sintflut enthält etliche logische Fehler.

 

Mehr darüber - leider in englischer Sprache

 

 

Religion beschäftigt sich mit den Unwägbarkeiten des Lebens. Ein Beispiel, wie schwierig das ist zeigt die Reaktion auf den Zusammenbruch des dänischen Nationalspielers Christian Eriksen auf dem Fußballfeld. Angemessen war wohl, dass die Spieler mit ihren Körpern eine Mauer bildeten, um die voyeuristische Sicht auf medizinische Maßnahmen zu versperren. Wie aber soll Fernsehen reagieren, wenn sich vor den Augen von Millionen solch ein Drama abspielt? Wie unsicher letztlich alle sind, zeigt der merkwürdige Entschluss, das Spiel fortzusetzen. Die vielen Fehler im Spiel machen darauf aufmerksam, dass auf dem Platz und im Leben Angst, Sorge und Trauer viel Zeit und Raum brauchen.

Darüber hinaus wäre zu fragen, wie das derzeitige Virusgeschehen religiös zu deuten ist. Hat Religion in dieser für die  gesamte Menschheit in ungeahnter Weise herausfordernden Krisensituation etwas Wesentliches beizutragen?

 

 

 

Gedanken zu einem 250. Geburtstag:

Sie führte einen exklusiven literarisch-historischen Salon in Berlin. Dort versammelten sich berühmte Männer und Frauen. Fragen stellen, die sich verändernde Welt verstehen wollen, gemeinsam mit anderen die Verhältnisse ergründen: Das war Rahel Levin Varnhagens (1771-1833) ungewöhnliches Projekt. In großer Unabhängigkeit erforschte sie die Regeln der Gesellschaft und die Umwälzungen ihrer Zeit. Heinrich Heine erklärte sie  „zur geistreichsten Frau des Universums“. Hannah Arendt beschrieb sie als Beispiel der Möglichkeiten und Grenzen jüdischer Emanzipation im Ausklang der Aufklärung.

Sie dachte nach über Natur, Kunst und Religion. Mit ihren Briefen und Tagebüchern kreierte sie ein Netzwerk quer durch alle Stände.

Lesung - Lebensbild einer Saloniere

Dr. Joachim Kahl feierte seinen  80. Geburtstag. Wir konnten ihn mehrfach in unserer Gemeinde begrüßen. Als humanistischer Philosoph hat er entscheidende Impulse geliefert für einen ethisch und auch spirituell gehaltvollen Humanismus, der weit über bloße Religionskritik hinausgeht. Menschliches Leben bedeutet für ihn: 1. sich einrichten auf ein kurzes Gastspiel auf einem Staubkorn im Weltall, 2. tätig sein mit Sinn und Verstand, mit Anstand, Würde, mit Witz und Humor und 3. Abschied nehmen von allem für immer.

Über Joachim Kahl

Zur Sommersonnenwende

grüße ich mit einer

  Kurzbesinnung Gensler

Ihre

Elke Gensler

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Newsletter Nr. 28    
      28. Mai 2021


„Worte braucht man, um die Welt zu verstehen.

Musik braucht man, um die Welt zu überleben."

 

Deshalb: Was hilft bei Liebeskummer, Stress, Schlafstörungen, Angst, Erschöpfung, Sehnsucht,  Einsamkeit ...?

 

Die Wirkung von Musik auf Körper und Geist ist bekannt. Aber: Welche Musik wirkt heilsam?

Die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz bietet Vorschläge für eine musikalische Notfall-Apotheke an. Unter dem Thema „Musik und Gesundheit" eröffnet sie zudem neue Formate, um damit unser Wohlbefinden zu stärken:

 

Musik und Gesundheit

 

 


Das Thema Musik ist ein weites Feld. Immerhin ist sie eine Sprache, die alle verstehen. Auch musikalisch kann man sich mit religiösen Fragen beschäftigen. Kritisch, zugleich unterhaltsam macht das z. B. der Sänger Bodo Wartke :

 

Die heiligen Schriften

 und

Nicht in meinem Namen

 

Trauer hat viele Facetten: Der Verlust eines Menschen schmerzt. Genauso wie der Kummer über eine verlorene Liebe. Es tut weh!

Wie verarbeiten Musiker*innen diese traumatische Grenzerfahrungen?

Ein Feature zum Nachhören oder Nachlesen:

 

Tod und Trauer in der Popmusik

Musik und Nah-Ost-Konflikt – wie passt das zusammen?

„Es ist kein politischer Konflikt, viel mehr, es ist ein menschlicher Konflikt  zwischen zwei Völkern, die überzeugt sind, das Recht zu haben im gleichen kleinen Land zu leben – wenn möglich ohne den anderen" . Das sagt Daniel Barenboim. Er ist Pianist, Dirigent und vor allem Humanist. Seit 78 Jahren lebt er als Kosmopolit mit israelischer und palestinensischer Staatsbürgerschaft: „In meinen Adern fließt jüdisches Blut und mein Herz schlägt für die palestinensische Sache". Ein Modell kulturellen Einklangs ist sein „Orchester des West-östlichen Divans". Hier spielen jüdische und arabische Musiker zusammen. Friedenspolitik pur!

Mehr darüber.

 

LINK

 

           

 

Am Ende dieser musikalischen Gedanken NICHT an Bob Dylan zu erinnern, der in diesen Tagen 80 Jahre alt wurde, wäre geradezu eine Sünde.

Egal, was man von ihm hält, z. B. : „ ... Er ging nach Nashville, er wurde Zionist und wiedergeborener Christ, er umgab sich mit Gospelgejammere und missionierte von der Bühne herab, und dann trat er auch noch vor dem Papst auf und machte am nächsten Tag Werbung für die Unterwäsche ..." (aus der SZ) 

 oder

„Mein hellster Stern am Liederhimmel ... sein unverwechselbarer Sound: eine rebellische Frömmigkeit". (Wolf Biermann)

- ein anbetungswürdiger  Heiliger ist er wohl nicht. Immerhin: Bob Dylan ist der erste Musiker, der für seine Poesie in der amerikanischen Songtradition mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Und für einige von uns gehört er einfach zur musikalischen Sozialisation dazu.

Wer sich für sein religiöses Engagement interessiert (bis 29.5.):

 
Bob Dylan Trouble no more



GIER - Sünde oder Segen?

Wonach sind wir gierig? Geld? Wissen? Erfolg? Anerkennung? Leistung? Ist Gier unmoralisch? Gehört Gier zu unserer Natur? Wer zahlt für die Gier der anderen?

Digitales zur Ausstellung im Stuttgarter Haus der Geschichte „Gier. Was uns bewegt" lässt sich hier erkunden:

 

Ausstellung GIER




Digitale Technologie gehört zu unserem Alltag. Deutschlands Protestanten haben deshalb eine Neufassung der 10 Gebote aus dem Reich des  digitalen Wandels  erarbeitet. Das Gebot „Du sollst nicht ehebrechen" wird zu „Bei Intimbeziehungen im digitalen Raum Freiheit und Achtsamkeit fördern". Aus „Du sollst nicht stehlen" wird „Gerechte Teilhabe am digitalen Wirtschaften ermöglichen" oder aus „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden" wird „Unter digitalen Bedingungen Wahrhaftigkeit fördern".  Weitere Beispielen einer Umformulierung aus der Welt des Digitalen finden sich in einer neuen Schrift der EKD:

 

Zehn Gebote der Digitalzeit

 

Ein weiteres digitales  Angebot haben sich meine Kolleginnen Amy Allen (Alzey) und Victoria Rittmann (Idar-Oberstein) für Jugendliche zwischen 10 bis 20 Jahre ausgedacht : eine freireligiöse „Good Vibes Challenge". Die Challenge dauert 7 Tage und beginnt am Donnerstag, 10. 6. um 17 Uhr mit einer kleinen Online-Kick-Off-Veranstaltung. Neugierig? Hier ist die

Einladung Good Vibes Challenge


Mit einer Erinnerung an einen 100. Geburtstag grüße ich Sie herzlich

  Kurzbesinnung Gensler

Ihre

Elke Gensler

 

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Newsletter Nr. 27           7. Mai 2021

Was Gesicht heisst, kann bei keinem Lebewesen außer beim Menschen existieren.
Cicero

Aus der Corona-Welt der Masken eine interessante (aber wohl z. Zt. noch ungesunde) Ansicht des italienischen Philosophen Giorgio Agamben. Er meint: Das Gesicht der Menschen ist der Ort ihrer Wahrheit. Wird es verhüllt, dankt die Politik ebenso ab wie die Freiheit. Zitat: „Wenn ein Land beschließt, auf das eigene Gesicht zu verzichten, die Gesichter seiner Bürger überall mit Masken zu bedecken, hat dieses Land also jede politische Dimension aus sich getilgt. In diesem leeren Raum, jederzeit einer unbegrenzten Kontrolle unterworfen, bewegen sich nun voneinander isolierte Individuen, die das unmittelbare, wahrnehmbare Fundament ihrer Gemeinschaft verloren haben und nur noch Nachrichten austauschen können, gerichtet an einen gesichtslosen Namen."

komplett nachzulesen in der NZZ

Foto: NZZ

 


Die Publizistin und Friedenspreisträgerin Carolin Emcke schreibt Tagebuch in Zeiten der Pandemie („Journal"). Es sind Notizen über eine neue Wirklichkeit. Sie notiert nächtliche Albträume und auch die unmöglichen Abschiede von geliebten Menschen: keine Innenschau, eher  subjektive, philosophische Notizen. Eine Chronik eines Ausnahmezustands, von dem niemand weiß, wann er zu Ende sein und wie er uns verändert haben wird.

 

Gespräch und Lesung in der Schaubühne

  Foto: Schaubühne Berlin

 

Etwa 40 Prozent der Deutschen gelten als konfessionsfrei und gehören offiziell keiner Religion an. Im Jahr 2040 werden diese Menschen  die Mehrheit in Deutschland stellen. Diese Gruppe sei sehr heterogen, sagte der Philosoph und Humanist Dr. Ralf Schöppner in einem Interview, in dem er auch anklingen lässt, was er unter Humanismus versteht.

Unsichtbare Ungläubige

 

 

In der  Zeit zwischen Ostern und Pfingsten beschäftigt sich die Theologie gern mit den Themen Tod, Auferstehung und Erlösung (Hoffnung). Einer, der nicht in Verdacht steht,  an Gott, Auferstehung oder die Ausschüttung des Heiligen Geistes (Pfingsten) zu glauben, war Theodor W. Adorno. Von ihm stammt der bemerkenswerte – leider etwas schwierige –  letzte Satz in seiner „Minima Moralia" :

„Philosophie, wie sie im Angesicht der Verzweiflung einzig noch zu verantworten ist, wäre der Versuch, alle Dinge so zu betrachten, wie sie vom Standpunkt der Erlösung aus sich darstellten. Erkenntnis hat kein Licht, als das von der Erlösung her auf die Welt scheint: alles andere erschöpft sich in der Nachkonstruktion und bleibt ein Stück Technik."

 

Standpunkt der Erlösung könnte meinen: eine Sehnsucht nach Bewegung zum Guten als Widerstand gegen die Tode dieser Welt.

Standpunkt der Erlösung könnte auch meinen:

dass  wir an die Hoffnung auf Erfüllung festhalten dürfen und zugleich jedoch wissen müssen, dass das Bewusstsein der Unerfüllbarkeit dieser Hoffnungen genauso stark sein muss. Denn der am Ende geöffnete Türspalt der Hoffnung lässt sich nicht trennen von der vollkommen Illusionslosigkeit.  Auch im Abbild des total zerstörten Lebens, taucht in der Spiegelschrift ihres Gegenteils das Gläck auf. „Vernunft", schreibt Adorno an anderer Stelle, „kann es nur in Verzweiflung und Überschwang aushalten." Und weiter: „Was wäre Glück, das sich nicht mäße an der unmessbaren Trauer dessen was ist?"

 

Minima Moralia Inhaltsverzeichnis



Morgen, am 8. Mai, endete vor 76 Jahren der 2. Weltkrieg. Ich erinnere mich an eine bewegende Feierstunde vor etlichen Jahren  in unserer Gemeinde, als Zeitgenoss*innen über das Kriegsende in Mainz berichteten.  Ein „Tag der Befreiung", wie Bundespräsident Richard v. Weizsäcker diesen Tag nannte. Seine Rede ist auch 36 Jahre später noch wert, gehört zu werden. Vor allem sein  Appell: „Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass gegen andere Menschen, gegen Russen oder Amerikaner, gegen Juden oder Türken, gegen Alternative oder Konservative, gegen Schwarz oder Weiß. Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander."

 

Rede Weizäcker 1985 KURZ

 

 

Ein Kurzgedicht von Erich Fried soll an den 100. Geburtstag des engagierten Lyrikers erinnern:



Herrschaftsfreiheit

 

Zu sagen

„Hier herrscht Freiheit"

ist immer

ein Irrtum

oder auch eine Lüge:

 

Freiheit herrscht nicht.


 

Erich Fried liest sein bekanntestes Gedicht: Es ist was es ist

 

     

Mit einer Kurzbesinnung grüße ich herzlich und wünsche schöne PFINGSTEN – das ja als das Fest der schöpferischen Kraft des Geistes weltlich gedeutet werden könnte.

 

  Kurzbesinnung Gensler

 

 Ihre

Elke Gensler

 

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Newsletter Nr. 26    
      23. April 2021



„Ich hasse die Natur"

 

dieser verstörende Ausruf des Schriftstellers Thomas Bernhardt ist das Motto einer Ausstellung im Schillermuseum Weimar. Sie verweist auf den bedrohlichen und grausamen Teil der Natur und auf die Beziehung des Menschen mit dem, was wir Natur nennen. Wie beherrscht sie uns? Beherrschen wir sie? Wie wird unsere gemeinsame Zukunft aussehen? Dürfen wir sie „göttlich" nennen?

 

Kurzvideo über die Ausstellung



 

Die Pandemie hat empfänglich gemacht für die Ferne, für all die plötzlich unzugänglichen Orte, nach denen wir uns  vielleicht sehnen. Auf

drive and listen

lässt sich  per Video durch Städte wie Amsterdam, Los Angeles, Delhi, Zürich etc. (viele Städte von A bis Z) „fahren" und dabei lokale Radiosender hören.


 

Den Themen Glauben und Religion in Zeiten der Pandemie geht eine Fotoausstellung in einer Berliner Galerie nach. Vor religiösem und kulturellem Hintergrund  spiegeln die Bilder Einsamkeit, Sterben, Sehnsucht und die Suche nach Antworten. Z. B. auf Fragen wie „Glaube ich?" oder „Ist Glauben notwendig?". Hier ein kurzer einführender Text mit einigen Fotos.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/berlin-aus FAZ 

Eröffnungsrede


 

Eine Einladung zur ersten digitalen Konferenz  (8. - 11. Mai) der International Association for Religious Freedom (Weltbund für religiöse Freiheit) unter dem Titel „Does religion set you free?"  mit den entsprechenden Informationen finden Sie hier:

IARF

 

Über Spiritualität, Glaube, das Göttliche ... lässt sich kaum in der Sprache des Alltags reden. Das Unaussprechliche hat jedoch eine Stimme: die Poesie. Gläubige und zweifelnde Dichter*innen ringen in ihren Gedichten um die spirituelle Dimension des Lebens. Ich möchte auf eine etwas ältere nachlesbare Radiosendung hinweisen, die in kluger und schöner Weise das Thema Religion, Spiritualität und Lyrik aufgreift:

Gottes lebendiges Schweigen

 

 

Diesseits oder Jenseits?

Das Jenseits wird gern mit einem Paradies verglichen. Ich glaube jedoch, dass es diesseitige Paradiese gibt.
Zwei verfilmte Vorstellungen davon sind z. B.:

Im Schwimmbad

Wilde Wiesen

 

 

Der Jurist und Bestsellerautor Ferdinand von Schirach hat 6 neue EU-Grundrechte in seinem kurzen Buch „Jeder Mensch" ( 5 Euro) formuliert. Sie könnten der Idee der EU neues Leben einhauchen. Interessant und wünschenswert ist z. B. Artikel 4: „Wahrheit. Jeder Mensch hat das Recht, dass Äußerungen von Amtsträgern der Wahrheit entsprechen.“ Das Buch endet mit diesem Satz „Ich habe den Entwurf geschrieben, weil die Würde des Menschen unantastbar sein muss". Im Kern geht es um die Erweiterung der europäischen Grundwerte aus dem Jahr 2009. Jede*r kann sich die Idee auf einer Website anschauen und eine Petition unterschreiben:

Jeder Mensch


Vor kurzem ist der streitbare Theologe Prof. Hans Küng gestorben. Er war ein scharfer  Kritiker der katholischen Kirche und suchte neue Wege, z. B. mit dem Projekt „Weltethos". Damit schuf Hans Küng die Grundlage für ein Bewusstsein grundlegender gemeinsamer Werte für ein friedliches und respektvolles Miteinander über die Grenzen der Religionen, Kulturen und Nationen hinweg („Ohne Religionsfrieden kein Weltfrieden").  Ein Projekt, mit dem sich auch Freireligiöse identifizieren können.

Projekt Weltethos

 

 

Mit einer Kurzbesinnung über einen schwarzen Punkt

 Kurzbesinnung Gensler

 

grüße ich herzlich

Ihre

Elke Gensler

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Newsletter Nr. 25            9. April 2021


Kann man mit Plumpsklos, Nasenbohren und Pizza das Universum erklären?

 

Ja, kann man! Im Kindersachbuch „Das Weltall" erklären die Autoren z.B. anhand einer Pizza mal kurz die Expansion des Universums vom Urknall bis heute. Oder sie stellen den Welle-Teilchen-Dualismus des Lichts als zwei Plumpsklos dar. Ein Erkenntnisgewinn - auch für Erwachsene.

 

Das Weltall. Oder das Geheimnis wie aus Nichts etwas wurde



 
 

Welche Bedeutung hat der Glaube für viele Mensch? Eine nicht-christliche Deutung zur Funktion von Religion versucht der britische Philosoph Tim Crane, ohne das Kind (die Religion also) gleich mit dem Bade auszuschütten. Dem Autor gelingt es, Wahrheit oder Falschheit der Religion NICHT zu bewerten. Vielmehr versucht er, Gläubige und Ungläubige miteinander zu versöhnen und schreibt gegen vereinfachte Religionsdefinitionen an. Hier ein Video  des Verlages zum Buch:

                                      

Religion aus der Sicht eines Atheisten




Deutschland, wie hältst du es mit der Religion? Angesichts dramatischer Kirchenaustritte stellt sich nicht erst jetzt diese Frage. Inzwischen gehören nur noch 52 % einer der christlichen Kirchen an. Davon glauben 55 % nicht an Gott! Der Trend geht hin zum Säkularen (oder Indifferenten). Ein Interview mit einem Religionssoziologen öffnet den Blick für die Bedeutung von Religion.

 

Wie hast du's mit der Religion?

 

Fragen der Religion, speziell der Freien Religion, beschäftigten den ehemaligen Vorsitzenden unserer Gemeinde Lothar Geis. Er wurde nicht müde, Erklärungen, Texte, eigene Gedanken und Bekenntnisse, Historisches und Philosophisches zum - wie er es gern nannte - „freireligiös-sein" - zusammenzutragen. Am 18. April wäre sein Geburtstag, er starb vor 2 Jahren. Eine Würdigung erfährt er wohl am ehesten durch die Beschäftigung mit seinen Arbeiten zu einer Freien Religion auf: Freireligiöse Schriften





„Fachchinesisch adé" – damit macht ein Online-Lexikon zur Religion namens relilex auf sich aufmerksam und verspricht gut verständliche Artikel, die auch von Laien problemlos verstanden werden.

Hier findet sich z. B. ein Artikel über Freireligiöse

 

 

 


                                   Das Rotkehlchen ist der Vogel des Jahres

 

 

Wer singt denn da? Im Frühling piept es überall. Mit der kostenlosen App „Birdnet"  der TU Chemnitz lassen sich Vogelstimmen aufnehmen und zurückschicken. Der Gesang wird analysiert und verrät, welcher Vogel da gesungen hat. Praktisch für den Waldspaziergang: birdNET

 

 

Bleiben wir im Wald. Was wir für Tannen halten, sind meistens Fichten. Wer mehr darüber wissen möchte (dazu eine Leseprobe und ein Gespräch mit Judith Schalansky, die die Reihe "Naturwissenschaften" heraus gibt):


Wilhelm Bode, Tannen - ein Portrait

 

(vorab: Tannenzapfen stehen auf den Zweigen und liegen nie auf dem Boden. Fichtenzapfen hängen und liegen irgendwann auf dem Boden)



 

Um beim Thema zu bleiben: am 25. April ist der      Tag des Baumes

 

Jedoch:

Ein Gespräch über Bäume ist fast ein Verbrechen
weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt
!"

 

meinte Bert Brecht in seinem Gedicht über die „Nachgeborenen", das er lange Jahre vor dem   Klimawandel    schrieb.

 

Der Philosoph Markus  Gabriel findet: „Wir leben in dunklen Zeiten und das Böse nimmt spürbar zu". Er diagnostiziert, dass Propaganda, Ideologie, Fake News und Halbwahrheiten heute verdecken, was der Mensch tun oder unterlassen soll. Seine Empfehlung ist, dass uns nur die Moral vor dem Abgrund retten kann. Lust auf das Buch von Gabriel macht ein kurzes Video: 


Moralischer Fortschritt in dunklen Zeiten

 

 

Mit einer

  Kurzbesinnung

 

grüße ich Sie herzlich

Ihre

 

Elke Gensler

 

Freireligiöse Gemeinde Mainz FREIRELIGIÖSE GEMEINDE MAINZ
Körperschaft des öffentlichen Rechts
Gartenfeldstraße 1         55118 Mainz
Tel.  0 61 31 /  67 49 40
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Newsletter Nr. 24            26. März 2021


„Alles Unheil dieser Welt  kommt daher, dass die Menschen nicht still in ihrer Kammer sitzen können."

 

Vielleicht  hat man bei der gescheiterten  Erfindung der Oster-Ruhetage an dieses Zitat des Religionsphilosophen Blaise Pascal (1623-1662) gedacht?

                                          Pascal

 

 

Was Sie schon immer über den  Erfinder der „Vernunftreligion" Immanuel Kant wissen wollten wird hier in 1,5 Minuten erklärt:

Kant kurz erklärt

 

Zur Ergänzung:  Kants Philosophie ist immer auch Religionskritik und vor allem Kritik am dogmatischen Christentum und an den Kirchen. Sein Vorschlag, eine allgemeine Vernunftreligion zu pflegen, war keine spinöse Idee. Seine Vernunftreligion ist verwurzelt im Selbstbewusstsein des Menschen und wird in Argumenten, nicht in Dogmen oder esoterischen Weisungen zur Sprache gebracht. Ein bedenkenswerter Versuch in diesen Zeiten, wo so viele Menschen von den etablierten dogmatischen Konfessionen genug haben (man könnte ja auch einfach freireligiös werden. ...).

 

                                                 clip_image004

                            Niemand hat das Recht zu gehorchen"

 

dieser widerständige Satz wird Hannah Arendt zugeschrieben (und von den sog. „Querdenkern" aufgegriffen). Aber: Wir landen wieder bei Kant, der gern von verschiedenen Seiten vereinnahmt wird. In  einer Recherche von Melanie Wolfer heisst es:
„Adolf Eichmann behauptet in seinem Gerichtsprozess, er habe sein Leben lang die Moralvorschriften Immanuel Kants befolgt. Kants Pflichtbegriff sei seine Richtschnur gewesen und so habe er aus Pflicht den Befehlen seiner Vorgesetzten gehorcht, als er die Vertreibung und Deportation von Millionen von Menschen organisierte. Hannah Arendt erklärt, warum es mit Hilfe von Kant unmöglich ist, sein Gewissen und seine Verantwortung auf einen Vorgesetzten zu übertragen. Und in diesem Zusammenhang fällt der Satz: „Kein Mensch hat bei Kant das Recht zu gehorchen.”


Die streitbare Theologin Prof. Uta Ranke-Heinemann ist gestern gestorben. Unermüdlich hat sie gegen Dogmen der Kirche gewettert. Sie zweifelte u. a. an der Dreifaltigkeit Gottes, an der Jungfrauengeburt und der Erlösung Christi am Kreuz
. Die ehemalige Protestantin verstand sich als „bleibender Protest in der katholischen Kirche".
Nachruf auf Uta Ranke-Heinemann

 



                                           

Das Geburtstagskind des Monats März ist für mich Janosch, der vor einigen Tagen 90 Jahre alt wurde. Selber nicht zur Tigerenten-Generation gehörend, schätze ich Janosch besonders wegen seiner humorvollen und scharfsinnigen Aphorismen in seinem kleinen Buch „Das Wörterbuch der Lebenskunst". Seine Kinderbücher schrieb er übrigens als Antwort auf eine schlimme katholische Erziehung. Folgerichtig ist seine Einstellung zur Religion höchst distanziert. Zum Stichwort „Religion" schreibt er:

 

1. Mancher Mensch braucht die Religion und einen Gott, weil er sonst niemanden hat, mit dem er nachts im Bett reden kann. Na gut, er könnte gegen die Wand reden. Doch darauf kommt er nicht.

2. Es gibt Religionen, die jedes Begreifen eines Gottes unmöglich machen.

 

In einem Interview zum 90.Geburtstag

 

Über Janosch

 


 

                                       
Die Frei-religiöse Gemeinde Offenbach lädt  ein zur Teilnahme an einer Weihestunde am kommenden Sonntag, 28.03.2021, um 15:00 Uhr zum Thema „Grübeln – eine vorverurteilte und vergessene Denkkunst“. Den Zugang zum Livestream finden Sie unter

 

Frei-religiöse Gemeinde Offenbach

 

 

 

                                       

 

Nach alten Mythen ist die Welt aus dem Ei entstanden, bzw. die Götter gehen aus dem Ei hervor.
Wer das Ei verzehrt, der verleibt sich nach dem mythischen Denken Kräfte des Ursprungs ein.

 

Ostern naht.

Noch einmal Janosch sehr kurz und sehr respektlos zum Stichwort „Auferstehung: Bloß das nicht!"

        

Wir aber bedenken, dass zu Ostern der Frühling siegt. Sowohl in diesem Sinne als auch im christlichen Glauben meint das: gefeiert wird der Sieg des Lebens über den Tod.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine frohe und ruhige Zeit

 

und grüße

mit einer

 

   Kurzbesinnung Gensler

 

 

Ihre

 

Elke Gensler

 

 

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Newsletter Nr. 23    
       5. März 2021


Auf eine verschneite Winterwelt folgte plötzlicher Frühling, auf das stete Sinken der allgegenwärtigen Sieben-Tage-Inzidenz ihr erneuter Anstieg: Es ist schwer, sich in dieser Zeit auf etwas einzustellen, etwas zu planen, z. B. den Urlaub,



Sollte es mit dem Urlaub nicht klappen, so können  wir immerhin virtuell unterwegs sein. Ich empfehle ein etwas anderes Reisebuch mit bizarren Zielen zu seltsamen religiösen Orten.

 

Hintergrund der Zielsuche waren die Fragen: Wie sind wir miteinander verbunden?  Was leisten Religion und Kult  an Stärkung, Trost, Orientierung, Hoffnungsstiftung etc.? Wo werden Menschen selbst religiös tätig? Wo teilen sie etwas?  Wo bilden sie Gemeinschaft? Was geschieht im Inneren der eigenen Seele (falls vorhanden)?

Die Reise geht z.B. zum letzten Druidenbaum Europas in Belgien, zu einem Tierfriedhof in Hamburg-Jenfeld, zu Orten um den Kult der „Heiligen der Lastwagenfahrer", zu den verbotenen Schreinen in Xinjiang usw.

 

Man hat bei der Lektüre jeweils das Gefühl, man sei dort.

Eine Leseprobe finden Sie hier:


Die seltsamsten Orte der Religionen

            @           

Aus einer Mail an mich:

 

Kennst Du zeitgenössische Freireligiöse Texte/ AutorInnen oder andere Quellen die Klonen, Designerbabys, Sterbehilfe, Populismus, Abtreibung, LGBT,  soziale Medien, Socken in Sandalen usw. unchristlich bearbeiten?

 

Was antworten? Ich leite die Frage gern weiter mit einer weiteren Frage:

Soll es tatsächlich starre freireligiöse Antworten auf diese Stichworte geben?

Ich selber möchte keine fertigen freireligiösen Antworten auf aktuelle Probleme bekommen. Aus meiner Sicht gibt es jedoch für uns einen geistigen Rückhalt, einen Hintergrund, eine humanistisch-demokratische Basis (z. B. Orientierung an den Menschenrechten), eine ethische Haltung (z. B. Respekt vor der/dem Anderen)  aus denen jeder*r  selber antworten kann.

 

Hilfreich ist ein Zitat von Dr. Eckhart Pilick:

Freie Religion ist kein abgeschlossenes System, sondern eine geistige Haltung ..... Freie Religion muss sich immer asymmetrisch zur Macht und zu den Mächtigen, die eine religiöse oder sonstige Heilslehre als absolut verkaufen, asymmetrisch zum Status quo verhalten und trotzdem immer ein wachsamer Äsymnet· mit Trillerpfeife bleiben: in allen die Glaubens- und Gewissensfreiheit betreffenden Zwistigkeiten.

                                                                            (aus: Robert Blum, Auf dem Theater des Lebens, Berlin 2011, S. 30)

 

 

Die gbs hat anlässlich des 100.Geburtstags des religionskritischen Philosophen Hans Albert einen Film veröffentlicht: Trickfilm-Animationen, ein Rückblick auf das Leben des Philosophen und die einfache Übersetzung seiner Thesen in Bilder machen den Film kurzweilig, informativ und sehenswert. Dazu greift der Film auf bisher unveröffentliches Material zurück, z. B. auf Begegnungen mit Karl Popper oder Paul Feyerabend.

 

Hans Albert - Der Jahrhundertdenker

 

 Der oder die andere hat in diesen  Zeiten vielleicht Lust auf etwas ganz anderes: Einen kostenlosen digitalen Workshop ab dem 12. März bietet die Landeszentrale für Politische Bildung zu dem Thema „Politik mit dem Körper (in Zeiten der Pandemie)“ an. Aus der Ankündigung: „Was entsteht aktuell abseits der üblichen Orte von Öffentlichkeit? Dafür bedienen wir uns der Mittel des Theaters. Wir bringen unsere Körper in Bewegung und erkunden die Räume und Bühnen, die uns umgeben."  Näheres mit Anmeldung hier:


Netztheater-Workshop




Die persönliche Begegnung in unseren Veranstaltungen fehlt immer noch. Die Frei-religiöse Gemeinde Offenbach hat das technische know-how und bietet eine Teilnahme an ihren Weihestunden nun auch digital per Livestream an.

 

Alle Infos dazu finden Sie auf der Homepage der Gemeinde


freireligioese-offenbach.de

  

         

Unter der gleichen Adresse können Sie am 6. März ein digitales Konzert besuchen. In der Ankündigung heisst es:

 

Der Cellist Christopher Herrmann sowie der Gitarrist Markus Fleischer bilden zusammen das professionelle Duo „Spielplatz Radikal!“. Spielplatz Radikal ist das, was passiert, wenn zwei große Kinder es einfach nicht lassen können zu spielen. Und dass an so vielen Instrumenten und mit so viel Spaß wie möglich. Da werden in Pachelbels Kanon Akkordburgen gebaut, mit dem Cellobogen wird in furiosen Eigenkompositionen Fangen gespielt.

 

                       

 

Mit Mut zum Durchhalten und einer

 

   Kurzbesinnung Gensler


 


grüße ich herzlich

 

Elke Gensler


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Newsletter Nr. 22            17. Februar 2021

Asche - alles vergänglich?

 

Pünktlich zum Aschermittwoch spuckt der Ätna Feuer und Asche. Zum Glück ohne größere Schäden.

Hier sind spektakuläre Bilder. Aus Asche wächst neues Leben. Deshalb muss der heutige Tag nichts mit aschegrauem Schwarzsehen und Vergänglichkeit zu tun haben, sondern mit lebendigen Fragen wie: was soll wachsen, was ist wesentlich, was stört?

 

 

    

Zur (für manche nervigen) Genderdebatte ein interessanter Beitrag aus dem katholischen Lager. Die katholische studierende Jugend (KSJ) will das Gottes*bild entstauben. Ab sofort wird Gott* also mit dem Genderstern versehen. Begründung: Weg von dem strafenden, alten, weißen Mann mit Bart - hin zu einer Gottes*vielfalt.

 

Katholisches Gottesbild mit Genderstern

 

Wir Menschen stehen ständig in einem Austausch/ einer Beziehung  mit der Welt (Menschen, Natur, Kultur etc.) . Diese Resonanz produziert immer ein Stück Unverfügbarkeit. Mit Unverfügbarkeit ist das von uns letztlich nicht beeinflussbare Andere gemeint. Religionsphilosophisch wichtig ist die Aussage Hartmut Rosas, dass  das Unverfügbare auch als Geschenk, als Gabe, aufleuchten kann . Sicher bedeutsam für  Menschen, die sich als "religiös musikalisch" empfinden.

 

Die Bücher von Hartmut Rosa zum Thema:
„Unverfügbarkeit“, 2020.
„Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehungen“, 2019

 

Drei Fragen an Hartmut Rosa




 

War früher Religion an Kirche oder Religionsgemeinschaft gebunden, zeichnet sich heute ab, dass religiöse/spirituelle Erfahrungen auch außerhalb der Religionen gemacht werden: Etwa im Fußball, in der veganen Ernährung, beim Angeln etc.. Religiosität findet hier statt, ohne dass Betroffene diese als solche bezeichnen würden. Die religiöse Funktion zeigt sich in der Sinnfindung, die Fußballer, Veganer oder Angler erleben, wenn sie sich ihrer Leidenschaft „hingeben". Eine Kurzdokumentation zweier junger Männer fragt:

 

Kann Fußball Religion ersetzen?

 

Ergänzend die erstaunliche  Antwort eines Theologen:

Wenn Veganismus, wenn Fußball, ja, wenn auch das Angeln dazu führt, dass ich in meinem Leben Sinn erfahre, dass ich eine Weltdeutung bekomme, die mir eine Gesamtsicht auf mein Leben bietet und auf das, was mich in meinem Leben umtreibt, was mir begegnet, und dazu führt, dass ich das Gesamte integrieren kann, dann hat es eine religiöse Funktion. (Hendrik Meyer-Magister, Studienleiter an der Evangelischen Akademie in Tutzing)

 

Um im Bild zu bleiben, die befreundete Organisation der Unitarier sagt, dass sie mit „vielen Bällen jonglieren". Hier gibt es dazu nähere Informationen, verbunden mit der Einladung mitzumachen:

 

Unitarier

 

Wollen Sie mal etwas ganz Besonderes verschenken? Zum Beispiel ein richtiges Mini-Konzert von einer Cellistin  per Telefon?  Das ist momentan eine Möglichkeit, den Menschen direkt Musik zukommen zu lassen. Zudem kann man mit einem Telefonständchen auch Menschen erreichen, die keinen Zugang zum Internet haben (Altenheimbewohner*innen oder Menschen im Krankenhaus). Leider nicht kostenlos (ca. 15 Euro für ca.10 Minuten) unter:

 

Musikgeschenk

 

 

Die Religionsphilosophin und Trauerrednerin Dr. Gesine Palmer erzählt in ihrem Buch „Tausend Tode" aus ihrem Berufsalltag und den Umgang mit Tod und Trauer. Sie hat etliche säkulare Trauerfeiern begleitet, d. h. Gelegenheiten, ein Leben – auch wenn es widersprüchlich, unsympathisch oder tragisch war – zu feiern. Das Buch ist keine Ratgeberliteratur, es berichtet vielmehr von einer Grenzerfahrung. Hier erleben wir Gesine Palmer in einer Lesung aus ihrem Buch:

 

Tausend Tode – über Trauer reden

 

 

Zum Thema „Abschied nehmen" und „Erinnerung bewahren" finden sich behutsame Antworten in einem Kinderbuch (ab 4 Jahren): Als es für den alten Fuchs Zeit wird, Abschied zu nehmen, versammeln sich die Waldtiere, um sich an gemeinsame Erlebnisse zu erinnern – und zu trauern. Doch dann bemerken sie ein zartes Pflänzchen, das aus dem Boden sprießt und durch ihre Erinnerungen schließlich zu einem prächtigen Baum heranwächst: im Gedenken an ihren treuen Freund.

 

https://stiftunglesen.de: Der Baum der Erinnerung

 

Mit einer

 

  Kurzbesinnung Gensler

 

grüße ich herzlich

 

Elke Gensler

 

 

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Newsletter Nr. 21            3. Februar 2021

Der Bibel geht es an den Kragen.  

Eine ganz neue Bibelübersetzung versucht, die heutigen Sprachgewohnheiten aufzugreifen, um so für alle leicht verständlich zu sein. Die sog. „BasisBibel" folgt der Regel: Nie mehr als 16 Wörter pro Satz und nur einen einzigen Nebensatz.

Beispiel: Luthers Übersetzung von Jesaja 7, 14 „Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären“ wird nun zu: „Die junge Frau wird schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen.“ Wir sehen:  so wichtig kann ein einzelner Buchstabe sein!

Wie stehen/standen Freireligiöse zur Bibel - unabhängig von der jeweils gültigen Übersetzung? Losgelöst von ihrer Amtskirche blieben die ersten Freireligiösen "freie Christen". Sie überließen die Auslegung der Bibel nicht mehr der Kirche, sondern sie nahmen sich die Freiheit, die Bibel selbst zu deuten. Und sie blieben nicht bei der Bibel. Sie nahmen z.B . Lessings Ideendrama „Nathan der Weise" von der Theaterbühne in die wirkliche Welt der Menschen hinein. Daraus besonders die  „Ringparabel" , die von religiöser Toleranz erzählt:

Ringparabel aus Nathan

Heute spielt die Bibel für uns keine besondere Rolle. Genauso wichtig sind andere Texte, zum Beispiel ein Roman, auf den ich mich in der Kurzbesinnung beziehe: „Die Pest" von Albert Camus.


 

   

In einer Freien Religion hat der Zweifel  einen relativ guten Ruf.

Im Christentum dagegen war es einst lebensgefährlich, der offiziellen Lehre zu widersprechen. Zweifel lässt kaum jemanden kalt. Auch der Zweifel an einer Freien Religion ist nicht selbstverständlich - jedoch möglich. Aber auch hier gibt es verschiedenen Ebenen, die sich zum Teil mischen. Zum Beispiel ein Infrage stellen bestimmter Aussagen oder (vermeintlicher) Autoritäten.

 

Zweifel bewahrt vor Fundamentalismus und Engstirnigkeit.

Die katholische Theologin Veronika Hoffmann erkundet die verschiedenen Gesichter des Zweifels und regt an, eigene Schlüsse zu ziehen. So begegnet  sie den Fragen rund um Zweifel und Glauben und lädt in einem Vortrag  zu einer unterhaltsamen Wanderung durch die Landschaft des Zweifels (auch aus christlicher Perspektive) ein:

 

Tauchgang. Muss man zweifeln, um zu glauben?

 

Nicht nur der Zweifel zeichnet den Menschen aus. Auch das Zögern ist dem Menschen eigen. Anders als Tiere reagiert er nicht direkt auf Impulse, muss seinen Instinkten nicht prompt folgen. Er kann sich Dinge erst mal  angucken, nachdenken. Es war der originelle Denker Hans Blumenberg, der diese kurze Zeit, die wir uns nehmen, bevor wir irgendwie reagieren, so wertvoll fand. Er meinte, dass in der Fähigkeit zum Zögern der Ursprung von Vernunft schlummert. Blumenberg fand im Zögern eine philosophische Tugend: Sie ist als Kritik an der schnellen Moderne zu verstehen.

Sie können Hans Blumenberg kurz begegnen in einem Trailer zu einem Film über ihn:

 

Der unsichtbare Philosoph

 

 

Aus Anlass ihres 101. Geburtstages am 4. Februar erinnere ich an Lucie Kölsch (1919-1997). Sie war Wormser Ehrenbürgerin , emanzipierte vierfache Mutter, Sozialdemokratin. Zudem war sie Mitglied der Freireligiösen Gemeinde Worms.

 

Sie würde uns heute ein leidenschaftliches  „Engagiert Euch!“ zurufen. Als Stadträtin und Landtagsabgeordnete legte sie ihren Schwerpunkt auf den sozialen und kulturellen Bereich. Sie wollte Menschen helfen, die sich nicht selber helfen konnten. 1974 wurde sie mit dem Ehrenring der Stadt Worms ausgezeichnet. Wir sind stolz, diese Frau in unseren Reihen gehabt zu haben.

 

Ein Video der nach ihr benannten Lucie-Kölsch-Musikschule in Worms erinnert an sie:

 

Lucie Kölsch



 

In Zeiten der Pandemie sollen wir möglichst das Haus hüten und sehen deshalb bisweilen aus dem Fenster. Andere Menschen blicken ebenfalls aus dem Fenster, was sehen sie?

Unter       Windowswap

 

lassen sich  Fensterblicke anklicken: in  verschiedenen Ländern, in verschiedenen Städten. Wir sehen zum Beispiel einen Sonnenaufgang in Teheran, grasende Kühe in New Orleans  oder einen Garten in Melbourne: ein Blick aus einem neuen Fenster in eine andere Realität. Was macht das mit uns?


 

 

Ich grüße Sie mit einer Kurzbesinnung, die das Virus als Impulsgeber zur Sinnfindung entdeckt:

 

   Kurzbesinnung Gensler

 

 

Elke Gensler

 

 

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Newsletter Nr. 20            22. Januar 2021

Wer einen Baum pflanzt,

wird den Himmel gewinnen.

(Konfuzius)

 

Bäume sind mehr als grünes Schmuckwerk. Und: Es gibt einen interessanten Unterschied zwischen „Stadtbäumen" und „Waldbäumen". Die Stadtbäume sind Individualisten mit einer zum Teil spannenden Geschichte.

 

Nun hat die Biologin und Wissenschaftsjournalistin Caroline Ring 18 ganz unterschiedlichen Stadtbäumen in ganz Deutschland ein Buch gewidmet. In manchen Städten gibt es recht prominente Bäume, z. B. in Frankfurt und Weimar jeweils den bekannten Goethe-Ginkgo oder das Beuys-Projekt der „7000 Eichen" in Kassel. Daneben aber gibt es in vielen Städten  auch viele eher unbekannte Baumgeschichten. Kennen Sie z.B. die noch recht jugendliche  „Himmelgeister Kastanie"  in Düsseldorf mit eigener Postadresse? Das heißt: dieser Kastanie kann man einen Brief schreiben und ihr so sein Herz ausschütten oder gar Fragen stellen. Dahinter steht ein „Freundeskreis", der die Post beantwortet und sich um die Kastanie kümmert.

Auch ein alter Maulbeerbaum, der in Berlin steht, hat eine besondere Geschichte. Diese und viel mehr spannenden Einblicke in die Geschichte verschiedener Stadtbäume gibt das Buch von Caroline Ring:

 

Was Bäume erzählen. Botschafter des Lebens

 

Übrigens,  Bäume sind, wie Ring schreibt, zwar prinzipiell unsterblich, aber nicht unverwundbar. Vor dem Klimawandel und seinen Folgen können sie noch weniger weglaufen als Mensch und Tier.

 

Postanschrift: Himmelgeister Kastanie, Kölner Weg, 40589 Düsseldorf

 

 

Um noch mal das Zitat des Konfuzius vom Anfang zu bemühen, da lässt sich doch fragen: Und im Himmel? Wer wohnt dort? Gott? Und warum schweigt dieser immerzu?

Im Gang der Säkularisierung hat der Himmel seine religiöse Bedeutung verloren. Seitdem ruft ein Schweigen aus diesem Raum Schrecken hervor. Der Philosoph Peter Sloterdijk hat sich die Mühe gemacht, von einem mitteilsamen und einladenden Himmel zu erzählen. Mit ironischer Gelassenheit entlässt er in  seinem neuen Buch „Den Himmel zum Sprechen bringen" die Religion in eine neu verstandene Freiheit. Damit weist er den Weg in eine säkulare Religion und verpasst dem Begriff  "Religionsfreiheit" einen interessanten Dreh. Nicht ganz leicht zu lesen, aber für interessierte Freireligiöse eine anregende Lektüre

 

 

Peter Sloterdijk mit Einladung zu einer Online-Veranstaltung am 25.1., 19.30 Uhr

 

 

Gegen Ende Januar passt eine  freireligiöse Neujahrsansprache noch sehr gut. Thomas Lasi von der Landesgemeinde Baden wünscht: Gutes JA!

 

Neujahrsansprache aus Baden

 

 

Zu einer Online-Feierstunde „Um des Menschen Seele..." am Sonntag, 24.1. um 15 Uhr lädt die Frei-religiöse Gemeinde Offenbach ein. Im Anschluss gibt es die Möglichkeit eines SpeakAbout mit Pfarrer Pascal Schilling und Gemeindereferent Philippe Bender zu dem Thema „Seelsorge – ist das noch zeitgemäß?”  

(Nachdem Sie den Link aufgerufen haben, werden Sie gebeten Ihren Namen für Ihre Teilnahme einzugeben und können dann gleich „Konferenz beitreten“ anklicken.)

Feierstunde und SpeakAbout

 

 Am 28.Januar (19 Uhr)  dürfen Sie digital die Hamburger Kunsthalle betreten. Um 19 Uhr diskutieren Vertreter*innen unterschiedlicher Religionen über „Sünde und Vergebung" in Kunst und Religion. Haben diese beiden stark religiös geprägten Begriffe, die ja zu den Kernfragen des Glaubens gehören, auch eine Bedeutung für Freireligiöse?

 

Hamburger Kunsthalle Sünde und Vergebung

 

 

Leider fast zeitgleich:

Zum Schluss noch ein  ganz besonderer Tipp: Am 28.Januar, 18 Uhr, bieten Friedrich.-Ebert-Stiftung und Ernst-Bloch-Zentrum  im Rahmen einer Online-Veranstaltung  den Film Visiting the Past – Von New York nach Essenheim zum kostenlosen Streaming an.

Der Film begleitet Joan Salomon aus New York bei einem Besuch in Essenheim (bei Mainz). Es geht um die Suche nach Heimat und den eigenen Wurzeln. Der Film erzählt Geschichte und hält Erinnerungen fest, die bald verloren sein werden, weil niemand sie mehr erzählen kann. Es sind viele ältere Freireligiöse aus unserer Mainzer Zweiggemeinde Essenheim, die zu Wort kommen und sich erinnern. Anschließend gibt es ein  Gespräch mit der Regisseurin Barbara Trottnow.

Programm, Anmeldung und Näheres unter:

Online-Veranstaltung Visiting the past

 

Mit einer Erinnerung an einen Dramatiker, der vor 100 Jahren geboren wurde und 1990 starb,

 

  Kurzbesinnung Gensler

 

grüße ich aus dem lockdown, d.h. unsere geplante Matinee „Anfänge denken" fällt aus. (die Online-Feierstunde am Sonntag, 15 Uhr  aus Offenbach u.die Neujahrsansprache aus Baden sind sicher gesunde Alternativen)

 

Elke Gensler

 

 

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Newsletter Nr. 19    
       4. Januar 2021


„Ein gutes Neues Jahr !

 

... oder gar Gutes Neues -  das wünschen wir uns etwas sehr allgemein.

Was wünsche ich mir für 2021? Unter anderem (den Rest finden Sie in meiner Kurzbesinnung am Schluss):  Dass Licht und Klarheit mächtiger werden als Dunkelheit und Verwirrung.  Dieses neue Jahr sollte eine  Zeit der Wachheit und der Wachsamkeit  werden - nicht des Schlafes.

Bezüglich der derzeitigen Situation haben wir ja nur die Wissenschaft als Kind der Aufklärung, um dem Virus Einhalt zu gebieten. Und die fußt auf Vernunft.

Es gibt eine Zeichnung des spanischen Malers Goya aus dem Jahr 1799 mit dem Titel „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer.  Wir sehen einen über den Arbeitstisch eingeschlafenen Mann. Er wird bedrängt von gespenstischen flatternden Wesen. Sie verheißen Unheil. Das Bild meint den Künstler selbst. Doch es könnte jede*r sein, dem solche Ungeheuer zu schaffen machen. Dagegen hilft nur die Wachsamkeit. Lassen wir also unsere Vernunft nicht ruhen. Denn nur sie gibt uns die Sicherheit, Albträumen nicht zu glauben. Denn: schläft die Vernunft, treiben die Ungeheuer ihr Unwesen!

 Vielleicht haben Sie einen Büchergutschein zu Weihnachten bekommen?  Es gibt einen wunderbaren Bildband mit hervorragenden Fotos von verlassenen Kirchen. Immer mehr „Gotteshäuser“ verschwinden allmählich. Eine alt gewordene Kirche zeigt auf diese Weise ihre Altersschwäche: vom einst Lebendigen zum Verschwindenden, dann zu Verschwundenen, zum Toten. Ich sage das ganz ohne Häme, da uns Freireligiösen Ähnliches drohen könnte - allerdings ohne die imposanten Gebäude ... Der Bildband „Verlassene Kirchen hat etwa sehr Morbides und lädt zum Nachdenken über Religion ein. Eine schöne Besprechung mit Kostproben der Fotos findet sich hier:

Francis Meslet: Verlassene Kirchen. Kultstätten im Verfall

Zu Beginn des Jahres noch interessant: die Fotos gibt es auch als Kalender 2021 unter dem Titel „Lost Places - Verlassene Kirchen 2021

Jetzt, wo Weihnachten vorbei ist, dürfen wir es endlich laut aussprechen:  Weihnachten war ganz anders! Ein Theologenpaar aus Aachen begab sich jüngst auf Spurensuche und fand abseits religiöser Orientierung heraus: die komplette Weihnachtsgeschichte (Stichworte: Maria und Josef, Jungfrauengeburt, Geburt Jesu, Heilige 3 Könige etc. ...) stammt aus dem Bereich der Legenden. Nichts stimmt. Der große Faktenscheck allerdings kommt nun auch etliche Jahre zu spät. Für die meisten Freireligiösen war seit langem (spätestens seit den Forschungen des freireligiösen Philosophen Arthur Drews Anfang des letzten Jahrhunderts) klar: die Geschichten der Bibel sind einfach erfunden. Wer also Altbekanntes erfrischend neu recherchiert nachlesen will, findet hier weiteres:

Simone und Claudia Paganini: Von wegen Heilige Nacht!

Die jüdische Philosophin Hannah Arendt (1906 - 1975) wird derzeit neu entdeckt. Im Zentrum ihrer Philosophie steht die menschliche Freiheit. Als Philosophin und politische Theoretikerin beugt sie sich keinen akademischen oder politischen Zwängen. Sie folgt keiner bestimmten Theorie, gehört keiner Schule an. „Denken ohne Geländer nennt sie das.

Sie glaubt optimistisch  an den Menschen, der selbst denkt, ohne Ideologien und Scheuklappen. Sie glaubt  an Gemeinschaft und Gespräch. Vor kurzem lief im Radio eine anspruchsvolle  lange Nacht über Hannah Arendt. Lange Nacht bedeutet = sehr lang (225 Minuten) und sehr viel Stoff zu und über sie, die übrigens Heidegger-Schülerin war. Und: sie ist oft im Original zu hören mit ihrer etwas eigenen Stimme, in der  wohl unendlicher Zigarettenkonsum Spuren hinterlassen hat:

  

Denken ohne Geländer

 

Wer lieber Biografisches/ Fotos/ Zitate über Arendt in schriftlicher Form mag ist mit diesem Hinweis gut bedient:

 

 

Vertrauen in das Menschliche

 

Vermutlich haben Sie nicht immer Gelegenheit, die sonntäglichen Rundfunkansprachen der Religionsgemeinden im SWR zu hören. Eine Zusammenstellung freireligiöser Ansprachen der Landessprecherinnen Marlene Siegel und Ute Kränzlein können sie hier nachhören:

 

 

Freireligiöse Rundfunkansprachen im SWR

 

Einen zeitgemäßen Neujahrsgruß gebe ich gern an Sie weiter:

Ich wünsche ein gesundes Neues Jahr, in dem wieder alles möglich sein wird, was uns so selbstverständlich und lieb war – ja, wir waren glücklich und wussten es nicht.

 

Mit weiteren Wünschen für 2021 in Form einer

 

 

   Kurzbesinnung Gensler

 

 

grüßt

 

Elke Gensler

 

 

 

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Newsletter-Ausgaben aus dem Jahr 2020
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