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Newsletter Nr. 23            5. März 2021

Auf eine verschneite Winterwelt folgte plötzlicher Frühling, auf das stete Sinken der allgegenwärtigen Sieben-Tage-Inzidenz ihr erneuter Anstieg: Es ist schwer, sich in dieser Zeit auf etwas einzustellen, etwas zu planen, z. B. den Urlaub,



Sollte es mit dem Urlaub nicht klappen, so können  wir immerhin virtuell unterwegs sein. Ich empfehle ein etwas anderes Reisebuch mit bizarren Zielen zu seltsamen religiösen Orten.

 

Hintergrund der Zielsuche waren die Fragen: Wie sind wir miteinander verbunden?  Was leisten Religion und Kult  an Stärkung, Trost, Orientierung, Hoffnungsstiftung etc.? Wo werden Menschen selbst religiös tätig? Wo teilen sie etwas?  Wo bilden sie Gemeinschaft? Was geschieht im Inneren der eigenen Seele (falls vorhanden)?

Die Reise geht z.B. zum letzten Druidenbaum Europas in Belgien, zu einem Tierfriedhof in Hamburg-Jenfeld, zu Orten um den Kult der „Heiligen der Lastwagenfahrer", zu den verbotenen Schreinen in Xinjiang usw.

 

Man hat bei der Lektüre jeweils das Gefühl, man sei dort.

Eine Leseprobe finden Sie hier:


Die seltsamsten Orte der Religionen

            @           

Aus einer Mail an mich:

 

Kennst Du zeitgenössische Freireligiöse Texte/ AutorInnen oder andere Quellen die Klonen, Designerbabys, Sterbehilfe, Populismus, Abtreibung, LGBT,  soziale Medien, Socken in Sandalen usw. unchristlich bearbeiten?

 

Was antworten? Ich leite die Frage gern weiter mit einer weiteren Frage:

Soll es tatsächlich starre freireligiöse Antworten auf diese Stichworte geben?

Ich selber möchte keine fertigen freireligiösen Antworten auf aktuelle Probleme bekommen. Aus meiner Sicht gibt es jedoch für uns einen geistigen Rückhalt, einen Hintergrund, eine humanistisch-demokratische Basis (z. B. Orientierung an den Menschenrechten), eine ethische Haltung (z. B. Respekt vor der/dem Anderen)  aus denen jeder*r  selber antworten kann.

 

Hilfreich ist ein Zitat von Dr. Eckhart Pilick:

Freie Religion ist kein abgeschlossenes System, sondern eine geistige Haltung ..... Freie Religion muss sich immer asymmetrisch zur Macht und zu den Mächtigen, die eine religiöse oder sonstige Heilslehre als absolut verkaufen, asymmetrisch zum Status quo verhalten und trotzdem immer ein wachsamer Äsymnet· mit Trillerpfeife bleiben: in allen die Glaubens- und Gewissensfreiheit betreffenden Zwistigkeiten.

                                                                            (aus: Robert Blum, Auf dem Theater des Lebens, Berlin 2011, S. 30)

 

 

Die gbs hat anlässlich des 100.Geburtstags des religionskritischen Philosophen Hans Albert einen Film veröffentlicht: Trickfilm-Animationen, ein Rückblick auf das Leben des Philosophen und die einfache Übersetzung seiner Thesen in Bilder machen den Film kurzweilig, informativ und sehenswert. Dazu greift der Film auf bisher unveröffentliches Material zurück, z. B. auf Begegnungen mit Karl Popper oder Paul Feyerabend.

 

Hans Albert - Der Jahrhundertdenker

 

 Der oder die andere hat in diesen  Zeiten vielleicht Lust auf etwas ganz anderes: Einen kostenlosen digitalen Workshop ab dem 12. März bietet die Landeszentrale für Politische Bildung zu dem Thema „Politik mit dem Körper (in Zeiten der Pandemie)“ an. Aus der Ankündigung: „Was entsteht aktuell abseits der üblichen Orte von Öffentlichkeit? Dafür bedienen wir uns der Mittel des Theaters. Wir bringen unsere Körper in Bewegung und erkunden die Räume und Bühnen, die uns umgeben."  Näheres mit Anmeldung hier:


Netztheater-Workshop




Die persönliche Begegnung in unseren Veranstaltungen fehlt immer noch. Die Frei-religiöse Gemeinde Offenbach hat das technische know-how und bietet eine Teilnahme an ihren Weihestunden nun auch digital per Livestream an.

 

Alle Infos dazu finden Sie auf der Homepage der Gemeinde


freireligioese-offenbach.de

  

         

Unter der gleichen Adresse können Sie am 6. März ein digitales Konzert besuchen. In der Ankündigung heisst es:

 

Der Cellist Christopher Herrmann sowie der Gitarrist Markus Fleischer bilden zusammen das professionelle Duo „Spielplatz Radikal!“. Spielplatz Radikal ist das, was passiert, wenn zwei große Kinder es einfach nicht lassen können zu spielen. Und dass an so vielen Instrumenten und mit so viel Spaß wie möglich. Da werden in Pachelbels Kanon Akkordburgen gebaut, mit dem Cellobogen wird in furiosen Eigenkompositionen Fangen gespielt.

 

                       

 

Mit Mut zum Durchhalten und einer

 

   Kurzbesinnung Gensler


 


grüße ich herzlich

 

Elke Gensler


Freireligiöse Gemeinde Mainz FREIRELIGIÖSE GEMEINDE MAINZ
Körperschaft des öffentlichen Rechts
Gartenfeldstraße 1         55118 Mainz
Tel.  0 61 31 /  67 49 40
freireligioese-gemeinde-mainz.de
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Newsletter Nr. 22            17. Februar 2021

Asche - alles vergänglich?

 

Pünktlich zum Aschermittwoch spuckt der Ätna Feuer und Asche. Zum Glück ohne größere Schäden.

Hier sind spektakuläre Bilder. Aus Asche wächst neues Leben. Deshalb muss der heutige Tag nichts mit aschegrauem Schwarzsehen und Vergänglichkeit zu tun haben, sondern mit lebendigen Fragen wie: was soll wachsen, was ist wesentlich, was stört?

 

 

    

Zur (für manche nervigen) Genderdebatte ein interessanter Beitrag aus dem katholischen Lager. Die katholische studierende Jugend (KSJ) will das Gottes*bild entstauben. Ab sofort wird Gott* also mit dem Genderstern versehen. Begründung: Weg von dem strafenden, alten, weißen Mann mit Bart - hin zu einer Gottes*vielfalt.

 

Katholisches Gottesbild mit Genderstern

 

Wir Menschen stehen ständig in einem Austausch/ einer Beziehung  mit der Welt (Menschen, Natur, Kultur etc.) . Diese Resonanz produziert immer ein Stück Unverfügbarkeit. Mit Unverfügbarkeit ist das von uns letztlich nicht beeinflussbare Andere gemeint. Religionsphilosophisch wichtig ist die Aussage Hartmut Rosas, dass  das Unverfügbare auch als Geschenk, als Gabe, aufleuchten kann . Sicher bedeutsam für  Menschen, die sich als "religiös musikalisch" empfinden.

 

Die Bücher von Hartmut Rosa zum Thema:
„Unverfügbarkeit“, 2020.
„Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehungen“, 2019

 

Drei Fragen an Hartmut Rosa




 

War früher Religion an Kirche oder Religionsgemeinschaft gebunden, zeichnet sich heute ab, dass religiöse/spirituelle Erfahrungen auch außerhalb der Religionen gemacht werden: Etwa im Fußball, in der veganen Ernährung, beim Angeln etc.. Religiosität findet hier statt, ohne dass Betroffene diese als solche bezeichnen würden. Die religiöse Funktion zeigt sich in der Sinnfindung, die Fußballer, Veganer oder Angler erleben, wenn sie sich ihrer Leidenschaft „hingeben". Eine Kurzdokumentation zweier junger Männer fragt:

 

Kann Fußball Religion ersetzen?

 

Ergänzend die erstaunliche  Antwort eines Theologen:

Wenn Veganismus, wenn Fußball, ja, wenn auch das Angeln dazu führt, dass ich in meinem Leben Sinn erfahre, dass ich eine Weltdeutung bekomme, die mir eine Gesamtsicht auf mein Leben bietet und auf das, was mich in meinem Leben umtreibt, was mir begegnet, und dazu führt, dass ich das Gesamte integrieren kann, dann hat es eine religiöse Funktion. (Hendrik Meyer-Magister, Studienleiter an der Evangelischen Akademie in Tutzing)

 

Um im Bild zu bleiben, die befreundete Organisation der Unitarier sagt, dass sie mit „vielen Bällen jonglieren". Hier gibt es dazu nähere Informationen, verbunden mit der Einladung mitzumachen:

 

Unitarier

 

Wollen Sie mal etwas ganz Besonderes verschenken? Zum Beispiel ein richtiges Mini-Konzert von einer Cellistin  per Telefon?  Das ist momentan eine Möglichkeit, den Menschen direkt Musik zukommen zu lassen. Zudem kann man mit einem Telefonständchen auch Menschen erreichen, die keinen Zugang zum Internet haben (Altenheimbewohner*innen oder Menschen im Krankenhaus). Leider nicht kostenlos (ca. 15 Euro für ca.10 Minuten) unter:

 

Musikgeschenk

 

 

Die Religionsphilosophin und Trauerrednerin Dr. Gesine Palmer erzählt in ihrem Buch „Tausend Tode" aus ihrem Berufsalltag und den Umgang mit Tod und Trauer. Sie hat etliche säkulare Trauerfeiern begleitet, d. h. Gelegenheiten, ein Leben – auch wenn es widersprüchlich, unsympathisch oder tragisch war – zu feiern. Das Buch ist keine Ratgeberliteratur, es berichtet vielmehr von einer Grenzerfahrung. Hier erleben wir Gesine Palmer in einer Lesung aus ihrem Buch:

 

Tausend Tode – über Trauer reden

 

 

Zum Thema „Abschied nehmen" und „Erinnerung bewahren" finden sich behutsame Antworten in einem Kinderbuch (ab 4 Jahren): Als es für den alten Fuchs Zeit wird, Abschied zu nehmen, versammeln sich die Waldtiere, um sich an gemeinsame Erlebnisse zu erinnern – und zu trauern. Doch dann bemerken sie ein zartes Pflänzchen, das aus dem Boden sprießt und durch ihre Erinnerungen schließlich zu einem prächtigen Baum heranwächst: im Gedenken an ihren treuen Freund.

 

https://stiftunglesen.de: Der Baum der Erinnerung

 

Mit einer

 

  Kurzbesinnung Gensler

 

grüße ich herzlich

 

Elke Gensler

 

 

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Newsletter Nr. 21            3. Februar 2021

Der Bibel geht es an den Kragen.  

Eine ganz neue Bibelübersetzung versucht, die heutigen Sprachgewohnheiten aufzugreifen, um so für alle leicht verständlich zu sein. Die sog. „BasisBibel" folgt der Regel: Nie mehr als 16 Wörter pro Satz und nur einen einzigen Nebensatz.

Beispiel: Luthers Übersetzung von Jesaja 7, 14 „Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären“ wird nun zu: „Die junge Frau wird schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen.“ Wir sehen:  so wichtig kann ein einzelner Buchstabe sein!

Wie stehen/standen Freireligiöse zur Bibel - unabhängig von der jeweils gültigen Übersetzung? Losgelöst von ihrer Amtskirche blieben die ersten Freireligiösen "freie Christen". Sie überließen die Auslegung der Bibel nicht mehr der Kirche, sondern sie nahmen sich die Freiheit, die Bibel selbst zu deuten. Und sie blieben nicht bei der Bibel. Sie nahmen z.B . Lessings Ideendrama „Nathan der Weise" von der Theaterbühne in die wirkliche Welt der Menschen hinein. Daraus besonders die  „Ringparabel" , die von religiöser Toleranz erzählt:

Ringparabel aus Nathan

Heute spielt die Bibel für uns keine besondere Rolle. Genauso wichtig sind andere Texte, zum Beispiel ein Roman, auf den ich mich in der Kurzbesinnung beziehe: „Die Pest" von Albert Camus.


 

   

In einer Freien Religion hat der Zweifel  einen relativ guten Ruf.

Im Christentum dagegen war es einst lebensgefährlich, der offiziellen Lehre zu widersprechen. Zweifel lässt kaum jemanden kalt. Auch der Zweifel an einer Freien Religion ist nicht selbstverständlich - jedoch möglich. Aber auch hier gibt es verschiedenen Ebenen, die sich zum Teil mischen. Zum Beispiel ein Infrage stellen bestimmter Aussagen oder (vermeintlicher) Autoritäten.

 

Zweifel bewahrt vor Fundamentalismus und Engstirnigkeit.

Die katholische Theologin Veronika Hoffmann erkundet die verschiedenen Gesichter des Zweifels und regt an, eigene Schlüsse zu ziehen. So begegnet  sie den Fragen rund um Zweifel und Glauben und lädt in einem Vortrag  zu einer unterhaltsamen Wanderung durch die Landschaft des Zweifels (auch aus christlicher Perspektive) ein:

 

Tauchgang. Muss man zweifeln, um zu glauben?

 

Nicht nur der Zweifel zeichnet den Menschen aus. Auch das Zögern ist dem Menschen eigen. Anders als Tiere reagiert er nicht direkt auf Impulse, muss seinen Instinkten nicht prompt folgen. Er kann sich Dinge erst mal  angucken, nachdenken. Es war der originelle Denker Hans Blumenberg, der diese kurze Zeit, die wir uns nehmen, bevor wir irgendwie reagieren, so wertvoll fand. Er meinte, dass in der Fähigkeit zum Zögern der Ursprung von Vernunft schlummert. Blumenberg fand im Zögern eine philosophische Tugend: Sie ist als Kritik an der schnellen Moderne zu verstehen.

Sie können Hans Blumenberg kurz begegnen in einem Trailer zu einem Film über ihn:

 

Der unsichtbare Philosoph

 

 

Aus Anlass ihres 101. Geburtstages am 4. Februar erinnere ich an Lucie Kölsch (1919-1997). Sie war Wormser Ehrenbürgerin , emanzipierte vierfache Mutter, Sozialdemokratin. Zudem war sie Mitglied der Freireligiösen Gemeinde Worms.

 

Sie würde uns heute ein leidenschaftliches  „Engagiert Euch!“ zurufen. Als Stadträtin und Landtagsabgeordnete legte sie ihren Schwerpunkt auf den sozialen und kulturellen Bereich. Sie wollte Menschen helfen, die sich nicht selber helfen konnten. 1974 wurde sie mit dem Ehrenring der Stadt Worms ausgezeichnet. Wir sind stolz, diese Frau in unseren Reihen gehabt zu haben.

 

Ein Video der nach ihr benannten Lucie-Kölsch-Musikschule in Worms erinnert an sie:

 

Lucie Kölsch



 

In Zeiten der Pandemie sollen wir möglichst das Haus hüten und sehen deshalb bisweilen aus dem Fenster. Andere Menschen blicken ebenfalls aus dem Fenster, was sehen sie?

Unter       Windowswap

 

lassen sich  Fensterblicke anklicken: in  verschiedenen Ländern, in verschiedenen Städten. Wir sehen zum Beispiel einen Sonnenaufgang in Teheran, grasende Kühe in New Orleans  oder einen Garten in Melbourne: ein Blick aus einem neuen Fenster in eine andere Realität. Was macht das mit uns?


 

 

Ich grüße Sie mit einer Kurzbesinnung, die das Virus als Impulsgeber zur Sinnfindung entdeckt:

 

   Kurzbesinnung Gensler

 

 

Elke Gensler

 

 

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Newsletter Nr. 20            22. Januar 2021

Wer einen Baum pflanzt,

wird den Himmel gewinnen.

(Konfuzius)

 

Bäume sind mehr als grünes Schmuckwerk. Und: Es gibt einen interessanten Unterschied zwischen „Stadtbäumen" und „Waldbäumen". Die Stadtbäume sind Individualisten mit einer zum Teil spannenden Geschichte.

 

Nun hat die Biologin und Wissenschaftsjournalistin Caroline Ring 18 ganz unterschiedlichen Stadtbäumen in ganz Deutschland ein Buch gewidmet. In manchen Städten gibt es recht prominente Bäume, z. B. in Frankfurt und Weimar jeweils den bekannten Goethe-Ginkgo oder das Beuys-Projekt der „7000 Eichen" in Kassel. Daneben aber gibt es in vielen Städten  auch viele eher unbekannte Baumgeschichten. Kennen Sie z.B. die noch recht jugendliche  „Himmelgeister Kastanie"  in Düsseldorf mit eigener Postadresse? Das heißt: dieser Kastanie kann man einen Brief schreiben und ihr so sein Herz ausschütten oder gar Fragen stellen. Dahinter steht ein „Freundeskreis", der die Post beantwortet und sich um die Kastanie kümmert.

Auch ein alter Maulbeerbaum, der in Berlin steht, hat eine besondere Geschichte. Diese und viel mehr spannenden Einblicke in die Geschichte verschiedener Stadtbäume gibt das Buch von Caroline Ring:

 

Was Bäume erzählen. Botschafter des Lebens

 

Übrigens,  Bäume sind, wie Ring schreibt, zwar prinzipiell unsterblich, aber nicht unverwundbar. Vor dem Klimawandel und seinen Folgen können sie noch weniger weglaufen als Mensch und Tier.

 

Postanschrift: Himmelgeister Kastanie, Kölner Weg, 40589 Düsseldorf

 

 

Um noch mal das Zitat des Konfuzius vom Anfang zu bemühen, da lässt sich doch fragen: Und im Himmel? Wer wohnt dort? Gott? Und warum schweigt dieser immerzu?

Im Gang der Säkularisierung hat der Himmel seine religiöse Bedeutung verloren. Seitdem ruft ein Schweigen aus diesem Raum Schrecken hervor. Der Philosoph Peter Sloterdijk hat sich die Mühe gemacht, von einem mitteilsamen und einladenden Himmel zu erzählen. Mit ironischer Gelassenheit entlässt er in  seinem neuen Buch „Den Himmel zum Sprechen bringen" die Religion in eine neu verstandene Freiheit. Damit weist er den Weg in eine säkulare Religion und verpasst dem Begriff  "Religionsfreiheit" einen interessanten Dreh. Nicht ganz leicht zu lesen, aber für interessierte Freireligiöse eine anregende Lektüre

 

 

Peter Sloterdijk mit Einladung zu einer Online-Veranstaltung am 25.1., 19.30 Uhr

 

 

Gegen Ende Januar passt eine  freireligiöse Neujahrsansprache noch sehr gut. Thomas Lasi von der Landesgemeinde Baden wünscht: Gutes JA!

 

Neujahrsansprache aus Baden

 

 

Zu einer Online-Feierstunde „Um des Menschen Seele..." am Sonntag, 24.1. um 15 Uhr lädt die Frei-religiöse Gemeinde Offenbach ein. Im Anschluss gibt es die Möglichkeit eines SpeakAbout mit Pfarrer Pascal Schilling und Gemeindereferent Philippe Bender zu dem Thema „Seelsorge – ist das noch zeitgemäß?”  

(Nachdem Sie den Link aufgerufen haben, werden Sie gebeten Ihren Namen für Ihre Teilnahme einzugeben und können dann gleich „Konferenz beitreten“ anklicken.)

Feierstunde und SpeakAbout

 

 Am 28.Januar (19 Uhr)  dürfen Sie digital die Hamburger Kunsthalle betreten. Um 19 Uhr diskutieren Vertreter*innen unterschiedlicher Religionen über „Sünde und Vergebung" in Kunst und Religion. Haben diese beiden stark religiös geprägten Begriffe, die ja zu den Kernfragen des Glaubens gehören, auch eine Bedeutung für Freireligiöse?

 

Hamburger Kunsthalle Sünde und Vergebung

 

 

Leider fast zeitgleich:

Zum Schluss noch ein  ganz besonderer Tipp: Am 28.Januar, 18 Uhr, bieten Friedrich.-Ebert-Stiftung und Ernst-Bloch-Zentrum  im Rahmen einer Online-Veranstaltung  den Film Visiting the Past – Von New York nach Essenheim zum kostenlosen Streaming an.

Der Film begleitet Joan Salomon aus New York bei einem Besuch in Essenheim (bei Mainz). Es geht um die Suche nach Heimat und den eigenen Wurzeln. Der Film erzählt Geschichte und hält Erinnerungen fest, die bald verloren sein werden, weil niemand sie mehr erzählen kann. Es sind viele ältere Freireligiöse aus unserer Mainzer Zweiggemeinde Essenheim, die zu Wort kommen und sich erinnern. Anschließend gibt es ein  Gespräch mit der Regisseurin Barbara Trottnow.

Programm, Anmeldung und Näheres unter:

Online-Veranstaltung Visiting the past

 

Mit einer Erinnerung an einen Dramatiker, der vor 100 Jahren geboren wurde und 1990 starb,

 

  Kurzbesinnung Gensler

 

grüße ich aus dem lockdown, d.h. unsere geplante Matinee „Anfänge denken" fällt aus. (die Online-Feierstunde am Sonntag, 15 Uhr  aus Offenbach u.die Neujahrsansprache aus Baden sind sicher gesunde Alternativen)

 

Elke Gensler

 

 

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Newsletter Nr. 19    
       4. Januar 2021


„Ein gutes Neues Jahr !

 

... oder gar Gutes Neues -  das wünschen wir uns etwas sehr allgemein.

Was wünsche ich mir für 2021? Unter anderem (den Rest finden Sie in meiner Kurzbesinnung am Schluss):  Dass Licht und Klarheit mächtiger werden als Dunkelheit und Verwirrung.  Dieses neue Jahr sollte eine  Zeit der Wachheit und der Wachsamkeit  werden - nicht des Schlafes.

Bezüglich der derzeitigen Situation haben wir ja nur die Wissenschaft als Kind der Aufklärung, um dem Virus Einhalt zu gebieten. Und die fußt auf Vernunft.

Es gibt eine Zeichnung des spanischen Malers Goya aus dem Jahr 1799 mit dem Titel „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer.  Wir sehen einen über den Arbeitstisch eingeschlafenen Mann. Er wird bedrängt von gespenstischen flatternden Wesen. Sie verheißen Unheil. Das Bild meint den Künstler selbst. Doch es könnte jede*r sein, dem solche Ungeheuer zu schaffen machen. Dagegen hilft nur die Wachsamkeit. Lassen wir also unsere Vernunft nicht ruhen. Denn nur sie gibt uns die Sicherheit, Albträumen nicht zu glauben. Denn: schläft die Vernunft, treiben die Ungeheuer ihr Unwesen!

 Vielleicht haben Sie einen Büchergutschein zu Weihnachten bekommen?  Es gibt einen wunderbaren Bildband mit hervorragenden Fotos von verlassenen Kirchen. Immer mehr „Gotteshäuser“ verschwinden allmählich. Eine alt gewordene Kirche zeigt auf diese Weise ihre Altersschwäche: vom einst Lebendigen zum Verschwindenden, dann zu Verschwundenen, zum Toten. Ich sage das ganz ohne Häme, da uns Freireligiösen Ähnliches drohen könnte - allerdings ohne die imposanten Gebäude ... Der Bildband „Verlassene Kirchen hat etwa sehr Morbides und lädt zum Nachdenken über Religion ein. Eine schöne Besprechung mit Kostproben der Fotos findet sich hier:

Francis Meslet: Verlassene Kirchen. Kultstätten im Verfall

Zu Beginn des Jahres noch interessant: die Fotos gibt es auch als Kalender 2021 unter dem Titel „Lost Places - Verlassene Kirchen 2021

Jetzt, wo Weihnachten vorbei ist, dürfen wir es endlich laut aussprechen:  Weihnachten war ganz anders! Ein Theologenpaar aus Aachen begab sich jüngst auf Spurensuche und fand abseits religiöser Orientierung heraus: die komplette Weihnachtsgeschichte (Stichworte: Maria und Josef, Jungfrauengeburt, Geburt Jesu, Heilige 3 Könige etc. ...) stammt aus dem Bereich der Legenden. Nichts stimmt. Der große Faktenscheck allerdings kommt nun auch etliche Jahre zu spät. Für die meisten Freireligiösen war seit langem (spätestens seit den Forschungen des freireligiösen Philosophen Arthur Drews Anfang des letzten Jahrhunderts) klar: die Geschichten der Bibel sind einfach erfunden. Wer also Altbekanntes erfrischend neu recherchiert nachlesen will, findet hier weiteres:

Simone und Claudia Paganini: Von wegen Heilige Nacht!

Die jüdische Philosophin Hannah Arendt (1906 - 1975) wird derzeit neu entdeckt. Im Zentrum ihrer Philosophie steht die menschliche Freiheit. Als Philosophin und politische Theoretikerin beugt sie sich keinen akademischen oder politischen Zwängen. Sie folgt keiner bestimmten Theorie, gehört keiner Schule an. „Denken ohne Geländer nennt sie das.

Sie glaubt optimistisch  an den Menschen, der selbst denkt, ohne Ideologien und Scheuklappen. Sie glaubt  an Gemeinschaft und Gespräch. Vor kurzem lief im Radio eine anspruchsvolle  lange Nacht über Hannah Arendt. Lange Nacht bedeutet = sehr lang (225 Minuten) und sehr viel Stoff zu und über sie, die übrigens Heidegger-Schülerin war. Und: sie ist oft im Original zu hören mit ihrer etwas eigenen Stimme, in der  wohl unendlicher Zigarettenkonsum Spuren hinterlassen hat:

  

Denken ohne Geländer

 

Wer lieber Biografisches/ Fotos/ Zitate über Arendt in schriftlicher Form mag ist mit diesem Hinweis gut bedient:

 

 

Vertrauen in das Menschliche

 

Vermutlich haben Sie nicht immer Gelegenheit, die sonntäglichen Rundfunkansprachen der Religionsgemeinden im SWR zu hören. Eine Zusammenstellung freireligiöser Ansprachen der Landessprecherinnen Marlene Siegel und Ute Kränzlein können sie hier nachhören:

 

 

Freireligiöse Rundfunkansprachen im SWR

 

Einen zeitgemäßen Neujahrsgruß gebe ich gern an Sie weiter:

Ich wünsche ein gesundes Neues Jahr, in dem wieder alles möglich sein wird, was uns so selbstverständlich und lieb war – ja, wir waren glücklich und wussten es nicht.

 

Mit weiteren Wünschen für 2021 in Form einer

 

 

   Kurzbesinnung Gensler

 

 

grüßt

 

Elke Gensler

 

 

 

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